„Du lerntest, was Not ist.“

„Du lerntest, was Not ist.“


Martha-Wissmann war AWO-und SPD-Mitglied. Sie war AWO Helferin und hat  lange Jahre in Linden gelebt. Nach ihr wurde der Martha-Wissmann-Platz im Ahrbergviertel in Hannover-Linden benannt.

In diesen Nissenhütten war es ja ganz schlimm. Das war furchtbar belastend auch für uns AWO Helferinnen. Hier war eine Wolldecke als Abtrennung und dann kam eine Familie mit sechs, sieben Kindern, dann wieder eine Wolldecke und wieder eine Familie und so ging das die ganze Baracke durch. Jeder bisschen konntest du nebenan hören. (…), du lerntest, was Not ist, bitterste Not.

Teilweise waren die Männer noch in Gefangenschaft oder gefallen und dann diese Frauen mit ihren halbverhungerten Kindern, die nichts hatten, aber auch nichts. Keine Windeln, keine warme Kleidung und das in dem kalten Winter. Nichts zu essen. Keine Milch für die Kinder. Uns ging es ja selbst schlecht. Stunden haben wir Schlange gestanden, um Brot zu bekommen – und, wenn wir dann dran waren, war nichts mehr da. Trotz Bezugsschein. Oder das Brot war so klitschig, dass man es ausdrücken konnte mit der Hand, weil es kein Brotgetreide gab und alles mit Mais gebacken wurde. Noch 1947 haben wir Hungermärsche hier in Hannover gehabt und ich glaube, auch die Partei (die SPD) hat was gemacht. Gekriegt haben wir nie das, was uns zustand. Aber unser Elend war nichts gegen das Elend, das wir in den Flüchtlingslagern jeden Tag gesehen haben.

Auszüge aus den Aufzeichnungen von Martha Wissmann.