Einfach mal sozial sein

Einfach mal sozial sein

Maricia Lange

Sich sozial engagieren, was bedeutet das überhaupt und kann das auch jeder? Jemand, der sich noch nie mit der Problematik beschäftigt hat, denkt wahrscheinlich erst einmal: “Ich weiß gar nicht, wie ich helfen und wo ich anfangen soll. Ich habe so wenig Zeit.“

Dabei kann jeder Mensch etwas für eine sozialere Gesellschaft tun. Es fängt bei den kleinen Dingen an. So lapidar es auch sein mag, aber zum Beispiel einer alten Dame im Zug seinen Platz anzubieten, ist heutzutage für die meisten nicht mehr selbstverständlich. Die Leute sind so auf sich selbst fixiert oder auf ihr Smartphone, dass sie ihre Umgebung schlicht und einfach nicht mehr wahrnehmen.

Ich erinnere mich an eine Situation – da stand morgens im überfüllten Zug eine Frau, die sichtliche Probleme hatte, ihren Kinderwagen aus der Tür hinauszuschieben. Anstatt Hilfe anzubieten, quetschte sich ein Großteil der Mitfahrenden einfach an ihr vorbei, ohne die Situation wirklich wahrzunehmen. Ich fragte sie schließlich, ob sie Hilfe bräuchte und in dem Moment schauten auch die anderen hektisch von ihren Handys auf und boten ebenfalls ihre Hilfe an. Es war, als hätten sie die Frau bis zu diesem Zeitpunkt nicht wahrgenommen.

Unter einer sozial gerechteren Gesellschaft verstehe ich auch, dass mehr Solidarität gezeigt wird und dass Menschen, denen es schlecht geht, nicht ignoriert werden. Vor allem sollte man versuchen weniger zu urteilen und zu verurteilen, denn jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Emotionen, Gedanken und Gründe, warum er genau da ist, wo er ist und so handelt, wie er es nun einmal tut. Man kann nicht wissen, was zum Beispiel ein Obdachloser oder ein Flüchtling durchgemacht hat und sollte versuchen, seinen Mitmenschen möglichst Freundlichkeit entgegenzubringen. Viele gehen vorbei, schauen mit Absicht weg oder wechseln die Straßenseite, wenn sie einen Obdachlosen sehen. Das macht mich traurig. Keiner denkt im kurzen Moment des Vorbeigehens daran, wie lange die Person schon da sitzt, wie viele schon vorbeigegangen sind, ohne ihr auch nur einen Blick zu würdigen, ob derjenige friert oder daran, wie es ist, stundenlang ohne große Beschäftigung an einer Stelle zu sitzen.

Man sollte Menschen auf der Straße mit Respekt und Anstand behandeln; sich vielleicht einfach mal hinsetzen und sich Zeit für ein Gespräch nehmen. Es hilft so viel, wenn jeder sich bemühen würde, im Alltag ein bisschen mit mehr Offenheit an die anderen Menschen heranzutreten.