Endlich Urlaub

Endlich Urlaub

Manuela Schneemann

Unsere Einrichtung – die AWO City Park Residenz Langenhagen hat dieses Jahr gemeinsam mit zwei anderen AWO Pflegeheimen zum zweiten Mal einen Bewohner/innen-Urlaub durchgeführt.

Frau R. hatte schon im vergangenen Jahr den Wunsch geäußert, mitfahren zu dürfen. Es war unsere erste Fahrt und wir Pflege- und Betreuungskräfte konnten damals noch nicht wirklich abschätzen, was uns in dieser Woche erwarten würde. Frau R. sitzt im Rollstuhl und ist halbseitig gelähmt. Die erste Hürde würde schon darin bestehen, in den Bus zu kommen, der uns nach Burhave bringen sollte. Ich habe ihr deshalb für die Reise in 2017 absagen müssen. Frau R. war sehr traurig darüber. Auch mir tat es sehr leid.

Nun also in 2018 bat Frau R. wieder, doch mitkommen zu dürfen. Sie würde sogar mit einem Taxi dorthin fahren, wenn es mit dem Bus nicht möglich wäre, sagte sie mir. Diesmal stand uns jedoch ein Bus mit Rampe zur Verfügung. Aus den Erfahrungen des letzten Jahres hatte ich jedoch immer noch meine Zweifel. Wir hatten viele Ausflüge gemacht und ich war mir nicht sicher, ob Frau R. in die Fahrzeuge vor Ort einsteigen könnte und an den Ausflügen teilnehmen könnte. Sicherlich, mit ihrem E-Rollstuhl kann sie kleinere Ausflüge mitmachen, aber wie sieht es mit dem Besuch der Deichschäferei oder der Fahrt mit der Butjadinger Bahn aus? Ich hatte so meine Zweifel und sagte ihr dies auch. Frau R. war der Meinung, das wäre nicht schlimm, dann würde sie an diesen Ausflügen eben nicht teilnehmen. Ich bat mir etwas Bedenkzeit aus und besprach die Situation mit den Kolleginnen und Kollegen. Inzwischen übte Frau R. fleißig mit der Physiotherapeutin gehen und Stufen steigen. Jedes Mal, wenn ich ihr in der Einrichtung begegnete und sie so zielstrebig arbeiten sah, dachte ich, es wäre eine Strafe dieser Frau, ihren sehnlichsten Wunsch nicht zu erfüllen.

Wir entschieden Frau R. mitzunehmen. Einige Wochen vor Reisebeginn ging ich zu Frau R. und überbrachte ihr die gute Nachricht. Frau R. freute sich riesig darüber. Mir standen die Tränen in den Augen, als ich diese Freude sah. Wir besprachen noch, dass jederzeit ein Rücktransport möglich wäre, wenn es Frau R. zu anstrengend würde oder die Belastung für die Pflege- und Betreuungskräfte zu hoch wäre.

Am 13. Oktober starteten wir dann in den Urlaub. Mit einer Hebebühne wurde Frau R. in den Reisebus gesetzt und die Fahrt konnte losgehen. In Burhave war alles bestens vorbereitet. Ein Pflegebett war vorhanden, eine Toilettensitzerhöhung haben wir mitgenommen. Mit Hilfe eines Drachentuches konnte Frau R. sogar in einem Fahrzeug an allen Ausflügen teilnehmen. Mit viel Geduld und äußerster Anstrengung von Frau R. gelang es uns, im Teestübchen mehrere Stufen zu überwinden und das wohl leckerste Stück Kuchen und den Tee zu genießen. Jede überwundene Hürde war für uns alle ein mega Glücksgefühl!

Frau R. hat den Urlaub sehr genossen und wir Pflege- und Betreuungskräfte durften erfahren, was alles mit etwas Mut und Zuversicht möglich ist. Ich bin Frau R. dankbar für ihre Hartnäckigkeit und ihren Mut, dieses Abenteuer auf sich genommen  zu haben. Meinen Kolleginnen und Kollegen bin ich dankbar, dass sie gemeinsam mit mir so entschieden haben und alle dazu beigetragen haben, Frau R. diesen Urlaub zu ermöglichen.

Manuela Schneemann