Enttäuscht – Rassismus in der ‚Neuen Welt‘

Enttäuscht – Rassismus in der ‚Neuen Welt‘

Klaus Schumacher

Im Alter begann ich das Aufschreiben zahlreicher Reiseerlebnisse: viele nette, amüsante, verbindende und fröhliche Ereignisse. Geblieben sind aber auch Begebenheiten negativer Art. So meine größte Enttäuschung über den vorhandenen Rassismus in Amerika. Wir in Europa und Deutschland müssen aufpassen,  nicht in ein solches Verhalten zu kommen!

Mit dem Thema bin ich in den 50er Jahren als junger Mensch konfrontiert worden. In Zusammenhang mit einer Unterschriftensammlung für Israel beschäftigte ich mich damals mit der nationalsozialistischen Zeit im Dritten Reich. Eine mörderische Zeit  von 1933 bis zum Kriegsende 1945. Ich sah grauenvolle Bilder und erfuhr menschenunwürdige Geschichten. Besuchte in meinem Leben mehrere Konzentrationslager in Bergen, Dachau, Esterwegen, Sachsenhausen und die Gedenkstätte in Yad Vashem in Israel. Las über das extreme Apartheid-Regime in Südafrika nach 1948. Ziehe heute noch den Hut. Danke Mandela.

Als Schüler schwärmte ich für die ‚Neue Welt‘. In der vierten Klasse der Realschule erstellte ich eine Collage über das so weite und ferne, freie Land. Monatelang sammelte ich Bilder, Zeitungsartikel, Hefte. Beschrieb und betitelte. Google gab es damals nicht. Erschrocken stellte ich fest, wie schlimm die Rassendiskriminierung in den USA war. Schwarze Menschen mussten für Weiße aufstehen: in Restaurants, in Bussen. Gemeinsam am gleichen Tisch zu Mittag essen, war nicht erlaubt, Schwarze durften nicht in die gleichen Schulen und, und, und…

Die Vertreibung der Indianer in Reservate durch weiße Siedler sitzt immer noch im tiefen Bewusstsein. Ihr damaliger Weg des Fußmarsches in die Reservate wird nicht umsonst „Pfad der Tränen“ genannt. Der Künstler Tom Hendrix hat zur Erinnerung eine Mauer gebaut. „Ein Vermächtnis für die Menschlichkeit“.

Angeblich sei seit den 60er Jahren alles  nicht mehr so schlimm. Erinnerte mich an den neuen Hoffnungsträger der Demokratie, John F. Kennedy. Doch bei seiner Wahl zum Präsidenten kamen mir Bedenken. Die Reaktion auf seine katholische Herkunft bei den Wahlen. Fast wäre er daran gescheitert. Dachte über den Fanatismus nach. Für mich ist er unvergesslich:

  • in seinen Bemühungen der Demokratisierung
  • mit seinem Ausspruch der Verbundenheit in Deutschland  „Ich bin ein Berliner“

Auch unvergessen die Jahre danach – Martin Luther King. „I have a dream.“ Mit ihm hatten viele Tausende von Schwarzen und Weißen den Traum.

Der Kampf gegen Rassismus und soziale Gerechtigkeit brennt weiter in Amerika. Damals wie heute ist der Widerstand gegen die weiße Unterdrückung ein Thema. Habe in Erfahrung gebracht, der erste schwarze Polizist trat 1991 in Birmingham (auch Bombingham – wegen der vielen Sprengstoffanschläge – genannt) seinen Dienst an. Erinnern wir uns an die letzten Jahre des Präsidenten. Der erste Schwarze, Barack Obama. Die Angst vor den Weißen ist bei vielen Schwarzen immer noch gegeben.

Ende der 80er Jahre erfüllte sich mein Traum: einmal New York, San Franzisco, Los Angeles, Hollywood, Sacramento, Grand Canyon, Las Vegas, Arizona, Boston, Buffalo, Washington und andere Orte. Dort erlebte ich bei einigen Gelegenheiten immer wieder die Unterdrückung von Schwarzen und  Indianern – bis hin zur totalen Nichtbeachtung!

Ein böses Erlebnis ist mir unvergesslich. Es geschah in der kleinen Stadt Buffalo in einem von der Reiseleitung empfohlenen Spezialitäten-Restaurant. Dort gab es Chicken Wings in über zwanzig verschiedenen Geschmacksnuancen. In dem Restaurant waren einige Tische besetzt, an einem saßen drei schwarze Frauen. Wir nahmen unsere reservierten Plätze ein, zwei Plätze fehlten. Die Geschäftsführerin erklärte uns, sie würde die drei Frauen auffordern, ihre Plätze frei zu machen.

Das wollte ich nicht, das ging mir zu weit. Ich protestierte, bat sie darum, es  nicht zu tun. Ich ging mit meinem Freund an die Bar und wollte auf einen freien Platz warten.

Plötzlich stand eine der drei schwarzen Frauen vor mir. Wie eine Furie beschimpfte sie mich. Ich hätte sie verjagt und sollte mich schämen. Ich sagte ihr, dass ich das nicht gewollt hätte und bedauerte das Geschehen. Sie hörte nicht auf, mich zu beschimpften. Alle Erläuterungen meinerseits verpufften. Dann schritt die Geschäftsleitung ein und schmiss alle drei Frauen aus dem Lokal. Ich  entschuldigte mich bei den Dreien. Da stand plötzlich ein Schwarzer neben mir. Der Aufwarter. Er reinigte die Tische und Aschenbecher, legte seine linke Hand auf meine Schulter und sagte: „Du hast keine Schuld! Habe alles vorher beobachtet. Du hast die Frauen nicht vertrieben. Diese Frau ist creasy  Sie hat nichts verstanden. „You are okay“ und klopfte mir auf die Schulter.“

So lecker wie die Hähnchenflügel mit den unterschiedlichen Dips und Saucen waren, ein fieser Beigeschmack ist geblieben.