Solidarität

Solidarität

Nada Nangia

Solidarität ist nicht allein ein wichtiger Bestandteil der sozialen Arbeit, sondern sie geht über die Buchstaben des Gesetzes und die gewerkschaftlich garantierte Arbeitszeit hinaus.

Bei der AWO zu arbeiten, bedeutete für mich neben der fachlichen sozialen Arbeit, Solidarität mit Inhalt zu füllen und zu erfahren. Im April 1997 habe ich bei der AWO im Beratungszentrum für Integration und Migrationsfragen angefangen.

Vorher hatte ich Sozialwissenschaften studiert und an der Uni und evangelischen Fachhochschule als Lehrkraft gearbeitet. Daher kannte ich hauptsächlich die Theorie. Gesellschaftspolitisch habe ich mich schon immer engagiert, das reichte mir nicht mehr. Getreu dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ wollte ich mein theoretisches Wissen an der Praxis überprüfen. Die Praxis hat gewonnen. Je länger ich bei der AWO arbeitete, desto sicherer wurde ich in der Praxis. Ich habe viel von meinen Kolleginnen und Kollegen gelernt, aber auch von den Ratsuchenden selbst.

Etwa ein Jahr später (1998) entstand das erste große Projekt des Beratungszentrums: AWO rennt, unter dem Motto „AWO gegen Ausgrenzung – Unsere Sprache ist Integration“. Besonders meine sportliche Kollegin Marga Wiehler und mein Kollege Kemal Dinc haben mit ihrer Teilnahme am Marathon weitere Kolleginnen und Kollegen begeistert. Solidarität ist ansteckend. Im AWO Projekt engagieren sich seitdem viele Hauptamtliche und Ehrenamtliche – mittlerweile zum 22sten Mal.

Im selben Jahr entstand das Projekt „Patenschaft für die Bildung – Investition in die Jugend“, ein AWO-Projekt, das bosnische Jugendliche unterstützte, die zu der Zeit gerade ihre Ausbildung absolvierten. Seit Anfang 1997 mussten immer mehr Flüchtlinge aus Bosnien Deutschland wieder verlassen. Von dieser Regelung waren besonders Jugendliche betroffen, die sich mitten in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befanden. Mit einer Arbeitslosenquote von 60 Prozent wären sie ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung auf dem Arbeitsmarkt in Bosnien wohl chancenlos gewesen. Die Härtefallregelung besagte jedoch, dass, wenn die Unterbringung und Versorgung der Auszubildenden ohne öffentliche Mittel gesichert wären, sie in Deutschland bleiben und ihre Ausbildung abschließen durften. Auf Basis dieser Grundlage suchten wir Paten für die Jugendlichen. Die Resonanz war sehr groß. Es meldeten sich viele Paten, wir erfuhren Unterstützung von der HAZ, den Mitarbeitenden der Ausländerstelle des Ordnungsamtes, von den AWO Verantwortlichen und Kolleginnen und Kollegen. Die Solidarität nahm eine solche Kraft auf, dass wir mit unserem Projekt großen Erfolg erzielen konnten.

Aus den fast zwanzig Jahren, die ich bei der AWO in unterschiedlichen Verantwortungsbereichen gearbeitet habe, nehme ich wichtige Erfahrungen mit. Die AWO mit ihren professionellen und engagierten Kolleginnen und Kollegen unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ihre eigenen Chancen zu erkennen, ihre Potenziale für sich zu nutzen und ihre Rechte in einem Sozialstaat zu wahren. Ich habe viele schöne Momente erlebt und viel Kollegialität und Solidarität erfahren. Die AWO hat mir diese Chance gegeben und dafür bin ich dankbar.